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Mit Einhörnern im Gespräch

Fair, New Work, News, Inside i+m

Artikel von Sylke am 1. November 2017

Schreibt seit Jahren am liebsten zum Thema nachhaltige (Lebens-)Gestaltung. Frei nach dem Motto: Kommunikation & Design – ach, wie schön & ach, wie fein!

Neulich war Milan von i+m zu Gast bei Einhörnern! Ehrlich wahr! Um genau zu sein bei unseren Freunden von einhorn Kondome. Über was er mit ihnen gesprochen hat und warum, erzählt er am besten selbst mit eigenen Worten:

 

Am letzten Donnerstag war ich auf einen gepflegten Nachmittagssmoothie bei unseren Berliner Freunden von einhorn. Elisa, in ihrer Funktion als „Head auf Fairstainability“, hat mich in ihr supercooles Büro in Kreuzberg eingeladen.

Der Grund für unser Treffen war so einfach wie komplex: Sowohl einhorn Kondome als auch i+m NATURKOSMETIK haben ein großes Interesse daran, mit ihren Produkten keinen Schaden in der Welt anzurichten. Und nicht nur das: Wir wollen die Welt sogar damit verbessern! Und weil das ja bekanntlich gar nicht zu einfach ist, hilft ein Austausch mit anderen Weltverbesserern hier ungemein.

Die Crux bei Zertizfierungen

Ein Thema mit dem wir uns beide viel beschäftigen sind Zertifizierungen. Die sind ja gerade sehr im Trend. Also Fairtrade, Bio, Vegan, Cruelty Free und so weiter. Bei einem genauen Blick auf unsere Flaschen findet ihr auch etliche davon auf den i+m Etiketten. Eine Zertifizierung für seine Produkte zu bekommen, läuft in der Regel so ab:

Man wendet sich an ein Siegel vergebendes Unternehmen, lässt von diesem die eigenen Produkte und ihre Herstellungsbedingungen auf Herz und Nieren prüfen und darf – so man denn alle für das Siegel nötigen Standards erfüllt – die Zertifizierung dann auf die Produkte drucken. Davor muss man aber noch eine ganze Menge Geld für regelmäßige Audits* und zusätzlich als Lizenzgebühr (wie z.B. bei Transfair) 3-5 Prozent des Umsatzes an den Zertifizierer zahlen. Dieses Geld bleibt beim Zertifizierer, das ist deren Geschäftsmodell.
Das bedeutet, man zahlt im Zweifelsfall mehrere Zehntausend Euro nur für das Siegel, davon kommt aber nichts beim Produzenten an. Das läuft über einen extra Fairtrade Zuschlag zum Rohstoffpreis. Den Zertifizierern soll hier natürlich nicht ihre Daseinsberechtigung abgesprochen werden, aber es soll klar machen, welche Hürden mit einer „echten“ Zertifizierung für kleine Unternehmen/Produzenten/Bauern verbunden sind.

Viele große Unternehmen, die sich ein echtes Siegel leisten könnten, vermeiden die Kosten gern, indem sie sich ein eigenes Phantasielabel zulegen. Das ist eher unter Verbrauchertäuschung/Greenwashing abzuheften und kommt damit weder für einhorn noch uns infrage.

Ein anderer Ansatz, den auch einhorn hier verfolgt, ist dieses Geld nicht für eine Zertifizierung auszugeben, sondern direkt an die Rohstoffproduzenten zu zahlen. Bio-Kautschuk gibt es nämlich schlicht und ergreifend nicht zu kaufen! Dann hat man zwar keine unabhängige Bestätigung in Form eines Siegels für sein Tun, dafür aber eine ganze Menge mehr Geld für instant Weltverbesserung! Und die interessierten Verbraucher kann man trotzdem über Instagramm direkt mit zu den Produzenten nehmen!

Die Crux bei Nachhaltigkeitsberichten

Worüber wir auch geredet haben sind Nachhaltigkeitsberichte. Klingt langweilig oder? Ist es auch.
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist im Normalfall ein viel zu langes und schwer lesbares Pdf-Dokument, einzusehen auf der Website des Unternehmens. Darin wird dann, anhand von diversen internationalen Standards möglichst trocken dargelegt, was man im letzten Jahr alles in Punkto Nachhaltigkeit tolles gemacht hat. Lesen will es leider selten jemand.

Da die Idee sich jedes Jahr Ziele zu setzen und den Fortschritt dahin dann transparent und ehrlich darzulegen aber eigentlich sehr gut ist, haben wir uns ein bisschen Gedanken gemacht, wie man so etwas auch weniger langweilig gestalten könnte. Ohne natürlich die feine Grenze zum Greenwashing zu überschreiten. Und siehe da: Ist auch alles gar nicht so einfach. Denn um transparent zu sein braucht man nun mal Zahlen. Zahlen zu CO² Ausstoß, Mengen an Plastikmüll und Gesamtvolumenanteil an fair gehandelten Rohrstoffen. Bleibt also nur, diese Zahlen etwas angenehmer zu verpacken.

Ideen hierzu gibt es schon einige: Als Film, als Blog, als Theaterstück oder vielleicht doch als Podcast? Wie würdet ihr gerne über die nachhaltigen Tätigkeiten eures Lieblingsunternehmens informiert werden? Vorschläge sind herzlich willkommen!

Der Jux bei der Holokratie

Spannend war auch, dass sich die Einhörner auf einen ähnlichen Weg wie wir begeben haben, was ihre Organisation und die Form des Zusammenarbeitens angeht. Keine festen Arbeitsstunden, keine begrenzten Urlaubstage und so viel Homeoffice wie gewünscht – ist bei einhorn Realität! Nach kurzer Bedenkzeit haben sie es einfach gemacht und dann für gut befunden. Wir hingegen lassen uns noch ein wenig mehr Zeit, um erstmal gründlichst darüber zu diskutieren. Gut Ding will eben Weile haben!

Danke Elisa für den netten Schnack am Nachmittag, das war sehr erleuchtend!

*Audit: [unverhofft durchgeführte] Überprüfung, Revision


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