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Klimafreundlich Reisen – mit dem Zug nach Kroatien

Green Lifestyle, Nachhaltigkeit

Artikel von Luisa am 3. Juli 2019

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Klimafreundlich-Reisen-Zugreise-Kroatien

Klimafreundlich reisen wird vielfach als (Komfort-)Verzicht wahrgenommen. Doch dem ist nicht so, es ist vielmehr ein Erlebnisgewinn. Begleitet mich auf meiner wunderbaren Fernreise mit dem Zug von Berlin an die Adria.

Schon der letzte Sommer war der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung  und auch in diesem Jahr zeichnet sich ein neuer Temperaturenrekord ab. Unser Klima verändert sich: seien es schmelzende Polkappen oder das Verschwinden der tropischen Regenwälder, der Klimawandel ist sichtbar.

Dass der Mensch großen Einfluss auf das Klima hat und insbesondere CO2 für das sich verändernde Klima verantwortlich ist, ist kein Geheimnis. Doch was kann ich selbst tun, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten? Reisepreise im Sinkflug verlocken, einfach mit dem Billigflieger gen Süden zu düsen oder einen kleinen Städtetrip zwischendurch zu buchen. Doch der Preis ist ja wohl nicht der einzige Grund, eine Reise zu machen. Mir geht es da immer noch ums Erlebnis.

Fernreisen mit dem Zug?

Sind Flugreisen überhaupt noch mit meinem ökologischen Gewissen zu vereinen? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich im letzten Jahr über die Zahlen meines CO2-Ausstoß für einen Langstreckenflug nach Nicaragua gestolpert bin. Mit nur einer Reise war mein  Jahresverbrauch an CO2 beinahe 3-fach aufgebraucht. Dass es in diesem Jahr anders sein sollte, war mir nach dieser Reise klar. Und mir ist durchaus bewusst, dass ich alleine mit meinem Flugverzicht in 2019 den Klimawandel nicht aufhalten kann. Es ist dringend notwenig, dass politische Lösungen kommen, um den massenhaften Co2-Ausstoß der Industrie zu beschränken. Doch ich warte jetzt nicht länger darauf, sondern starte mal direkt mit mir.

Nun, habe ich mich gefragt, gibt es nicht auch in Europa ein Ziel, das ohne Flugzeug erreichbar ist, eine Küste hat, Temperaturen um die 25 Grad und zusätzlich mit gutem Essen und Wein lockt? Viele Freunde erzählten von der wunderschönen Adriaküste Kroatiens und so war schnell ein Wunschziel gefunden. Eine Suche auf der Bahn-Website zeigte mir, dass es nicht nur eine gute Zugverbindung von Deutschland nach Kroatien gibt, sondern sogar einen Nachtzug von München nach Zagreb bzw. nach Rijeka. Heureka!

Weitere Recherchen ergaben eine direkte Zugverbindung zwischen Zagreb und Split in Dalmatien. Dass wir uns die kroatische Hauptstadt nicht entgehen lassen wollten, war schnell klar. Enden sollte die Reise auf einer der vielen Inseln vor Kroatiens Küste. Die liebe Beate von i+m empfahl Korčula, ihre liebste Insel schon seit Jahren. Und so stand die Route: Berlin – München – Zagreb – Split – Korčula und natürlich das Ganze wieder zurück.

Der Weg ist das Ziel oder 7 Tage auf Reisen

Diese Strecke klingt erstmal unglaublich lang und nach viel Fahrerei. Was durchaus stimmt, ich habe mal nachgezählt. Wir waren insgesamt 18 Tage unterwegs, 7 davon waren Reisetage, also Tage an denen wir im Zug saßen/schliefen oder mit dem Boot unterwegs waren. „Der Weg ist das Ziel“ war definitiv das Motto unserer Reise. Um diesem Motto gerecht zu werden, haben wir bereits vor der Abfahrt überlegt, wie die Reise bis nach Korčula ein angenehmer Teil des Urlaubs werden kann.

Abfahrt: Los ging es in unter 4 Stunden nach München. Dort angekommen hatten wir noch ausreichend Zeit bis unser Zug um kurz nach elf in Richtung Zagreb abfahren sollte. Unsere mehrstündige Wartezeit auf den Anschlusszug nach Zagreb verbrachten wir bei einem zünftigen Abendessen im naheglegenen Biergarten. Da kam auf jeden Fall gleich Urlaubsfeeling auf. Danach gemütlich zurück zum Bahnhof, Gepäck holen und unser Gleis suchen.

Im Zug machten wir es uns erstmal gemütlich in unserer Schlafwagenkoje. Gebucht hatten wir ein 2-er Abteil mit eigenem Waschbecken, Kostenpunkt für die Hin- und Rückfahrt 220€ pro Person (Tipp: Nachtzüge könnt ihr über die Webseite der Oebb buchen, da die Deutsche Bahn leider keine eigenen Nachtzüge mehr betreibt). Mal ehrlich und unter uns, eine Nacht im Zug ist nicht vergleichbar mit einer Nacht im Hotel. Mein Schlaf war eher leicht und unruhig. Hinzu kam meine latente Angst, aus dem Bett zu fallen. Trotzdem war ich am nächsten Morgen ausreichend ausgeruht. Eine direkte Weiterfahrt hätte ich mir allerdings nicht so gut vorstellen können.

Der Nachtzug: nichts für Langschläfer, oder doch?

Nach neun Stunden Nachtzugfahrt lachte uns der Bahnhof von Zagreb in wunderschöner Ostromantik entgegen. Als erstes musste ein zweiter Kaffee her (im Nachtzug bekommt ihr in der Regel morgens immer ein kleines Frühstück mit Kaffee oder Tee), der zum Glück schnell gefunden war. Was ich besonders mag an Nachtzugreisen: ihr seid schon ganz früh in Städten unterwegs, die gerade erst wach werden. Die Straßen sind noch leer, wenige Touristen und Einwohner unterwegs, gerade für mich als notorische Langschläferin super!

Es folgten zwei volle Tage, um Zagreb zu entdecken: über den tollen Dolac Markt in der Altstadt schlendern, in Cafés sitzen, das Broken Relationships Museum und den Botanischen Garten besuchen und feststellen, dass die Kroaten ganz große Hundefans sind. Eine tolle Stadt und bei unserer Abreise in Richtung Split habe ich mich schon total gefreut, am Ende unserer Reise nochmal einen ganzen Tag dort zu verbringen.

Einmal quer durch Kroatien – mit der Likabahn nach Split

Weiter ging’s nach Split, welches eigentlich nur 400km entfernt liegt. Das ist in etwa die Entfernung von Berlin nach Kassel, meiner Heimatstadt, die ein ICE in 3 Stunden meistert. In Kroatien aber ist das Zugnetz etwas in die Jahre gekommen – für Infrastruktur ist nicht viel Geld vorhanden. Es wurde zwar vor einigen Jahren in diese spezielle Strecke investiert mit einem Neigetechnikzug, um die Fahrt zu beschleunigen, trotzdem waren wir satte 6 Stunden unterwegs. Kostenpunkt: 120 Kuna (17€). Auch hierbei galt wieder unser Reisemotto „Der Weg ist das Ziel“: Definitiv eine der schönsten Zugstrecken, die ich bis jetzt gefahren bin (und ich fahre viel Zug). Der kleine Zug kämpfte sich tapfer aus der Stadt, fuhr erst durch flache, grasgrüne, später durch bergige, karge Landschaften und entlang an Flüssen und einmal rund um einen großen See. Einfach nur schön.

Split – die Stadt der Römer und Drachen

Die Altstadt von Split empfing uns verhältnismäßig leer. Wir hatten Glück, die Touristenmassen sollten erst auf unserer Rückreise die Gassen verstopfen. Am nächsten Tag durchstreiften wir ausgiebig Split, flanierten über die Promenade, tranken Bierchen und Limo am Touri-Strand (auch dieser noch menschenleer) und verliefen uns in den Gassen. Echte Drachen konnten wir nicht entdecken, doch die Altstadt hat uns auch ohne gut gefallen. Split war schön, aber die Insel rief uns.

Korčula ruft – Strandabenteuer auf zwei Rädern

Zum ersten Mal auf dieser Reise stiegen wir auf ein motorisiertes Gefährt: die Fähre Richtung Korčula via Hvar. Kosten für die Überfahrt: 120 Kuna (17€). Die Fahrt dauerte etwa 2 Stunden und ist bei ruhiger See auch für schwache Mägen wie mich gut machbar.
Die Altstadt von Korčula begrüßte uns mit sonnendurchfluteten Gassen. Auch hier viel altrömische Stimmung, aber mit noch weniger Touristen als in Split.

Ich liebe es, Neues zu entdecken und deswegen musste natürlich sofort die kleine Insel erkundet werden. Das Wetter war der Jahreszeit entsprechend warm, und wir hatten bereits in Berlin die Idee mit einem Roller diese Entdeckungstouren zu machen (auch weil ich super gerne die kleinen Elektroflitzer in Berlin nutze). Die Entscheidung einen Roller statt einem Auto zu mieten, war definitiv die richtige. So lässt sich die Insel und vor allem die Natur ganz anders genießen und erleben. Korčulas bergige Landschaft erhöhte den Rollerspaß natürlich! Kostenpunkt für den Roller: 140€ für 7 Tage plus Sprit (ca. 12€).

An vielen Orten in Südeuropa ist ein Auto oder Roller leider unerlässlich. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es auf Korčula eigentlich gar nicht. Auch wenn Boote zu vielen Stränden fahren, hätten wir uns ohne Roller sehr in unserer Flexibilität und Spontanität einschränken müssen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja in der Zukunft in solchen Ferienregionen auch mehr e-Mobilität? Dann könnten solcherlei Reisen noch klimafreundlicher werden.

Slow Travel – auf einmal ist Berlin so weit weg

Schon bei unserer Ankunft auf Korčula fiel uns auf, wie lang uns unser Urlaub bereits vorkam. Dabei waren wir gerade mal 5 Tage unterwegs. Berlin war schon unglaublich weit weg – das Loslassen fiel leicht. Ich erkläre mir das so: Beim Fliegen geht es vor allem um Schnelligkeit, Körper und Geist haben kaum Zeit „mitzukommen“. Wer aber langsamer reist, hat auch mehr Zeit, all die vielen Eindrücke und Erlebnisse zu genießen und zu verarbeiten. Der Urlaub begann für uns nicht erst nach der Anfahrt, sondern bereits zum Fahrtbeginn. Wir hatten nun noch 7 volle Tage Inselurlaub, sind jeden Tag an einen anderen Strand gedüst und haben uns richtig erholt. Denn die Rückreise stand noch an, die wir mit einem engeren Zeitplan bedacht hatten.

Ab nach Hause – die Hinfahrt wird zur Rückfahrt

Auf der Rückreise übernachteten wir je nur eine Nacht in Split und Zagreb. Und weil der Nachtzug aus Zagreb in München um 6 Uhr morgens ankommt, reisten wir natürlich direkt weiter nach Berlin. So gestalteten sich die Reise nach Split und im Anschluss nach Zagreb noch sehr entspannt, aber nach 12 Stunden Fahrt im Nachtzug und ICE kamen wir doch etwas erledigt in Berlin an. Der Teil war sicherlich der anstrengendste, aber ließ sich verkraften – für mich kein Grund nicht wieder in den Zug zu steigen, um neue Länder und Städte zu entdecken.

Im nächsten Jahr geht es dann vielleicht auf die andere Seite der Adriaküste, nach Italien mit einem Stopp in Venedig. Oder wir begeben uns auf eine wahrlich legendäre Strecke quer durch Europa: die Fahrt nach Lissabon via Paris – für mich als Literaturwissenschaftlerin und Romanistin ein großer Traum. Auch wenn ich das Reiseziel schon gut kenne, reizt mich diese Fahrt ungemein. Denn wie schon mehrfach erwähnt: „Der Weg ist das Ziel“.


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4 Kommentare zu “Klimafreundlich Reisen – mit dem Zug nach Kroatien”

  1. Britta

    Das mit der gefühlten Reisezeit kann ich bestätigen. Wir sind dieses Jahr mit dem Zug von Hannover nach Portugal gefahren, mit einer Zwischenübernachtung in Paris. Bei unserer Ankunft morgens halb 8 in Lissabon waren wir noch keine zwei Tage unterwegs, hatten aber das Gefühl schon viel länger im Urlaub zu sein. Erstaunte Frage der Kinder: „Haben wir wirklich erst vorgestern Zeugnisse bekommen?“ Ich glaube, dass das an der Vielzahl der Eindrücke und kleinen Erlebnisse liegt, die man auf solch einer Reise hat.

    Gruß von der Algarve ( der Urlaub ist noch nicht zu Ende 🙂

    Antworten

    • Luisa

      Hi Britta,

      das klingt echt super! Schön, dass ich mit meinem Reisezeitgefühl nicht ganz allein da stehe 🙂
      Euch noch einen tollen Urlaub und eine schöne Heimreise,

      Luisa von i+m

      Antworten

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