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ÖKO TEST sehr gut – auch ohne Siegel

News, Inside i+m, Vermischtes

Artikel von Sylke am 31. Juli 2019

Schreibt seit Jahren am liebsten zum Thema nachhaltige (Lebens-)Gestaltung. Frei nach dem Motto: Kommunikation & Design – ach, wie schön & ach, wie fein!

Unsere Produkte haben bei ÖKO TEST wieder ein SEHR GUT eingeheimst. Aber wir kleben nun keine ÖKO TEST Siegel mehr auf die Produkte. Warum denn nicht? Wir erklären es Euch hier.

Sehr gut, sehr gut

Hurra, hurra, zwei unserer Produkte wurden mal wieder vom Verbrauchermagazin ÖKO TEST mit dem Ergebnis SEHR GUT bewertet. Genauer gesagt das Glanz Shampoo aus der Hair Care Serie und das Freistil Duschgel und Shampoo. Das finden wir natürlich ganz fabelhaft und würden das am liebsten allen zeigen – mit dem ÖKO TEST Siegel auf den Produkten.
Doch dafür müssten wir das Label bzw. dessen Nutzung gegen eine Gebühr bei ÖKO TEST erst einmal kaufen. Aber erstmal ein wenig ausgeholt.

  • Duschgel und Shampoo

    Sanft und sauber. Das reizarme Freistil Sensitiv Duschgel und Shampoo reinigt sensible und zu Allergien neigende Haut schonend mit extra milden Zuckertensiden und pH-hautneutral.

  • Glanz Shampoo

    Erfrischend zitronig. Das Glanz Shampoo kräftigt das Haar und beruhigt die Kopfhaut, während Kamille ihm seidigen Glanz schenkt.

Wie funktioniert ein Ökotest aus Hersteller*innensicht?

Im Allgemeinen geht es folgendermaßen vor sich: ÖKO TEST sucht sich Produkte zum Testen aus ohne die Hersteller*innen zu fragen. Diese Produkte werden dann nach den von ÖKO TEST festgelegten Kriterien getestet. Daraufhin informieren sie die Hersteller*innen, dass und welches Produkt in welcher Kategorie getestet wurde. Sie teilen die Ergebnisse mit und geben eine ca. zweiwöchige Frist zur Stellungnahme. Hier können die Hersteller*innen noch fehlende Angaben oder Nachweise, z.B. für Wirkversprechen oder Rohstoffe aus fairem Handel, nachreichen. Danach wird das Ergebnis im ÖKO TEST Magazin und online veröffentlicht.

Label von ÖKO TEST ist kostenpflichtig

Danach können die Hersteller*innen die Labellizenz bei ÖKO TEST kaufen. Um das Testergebnis auf dem Produkt-Etikett seinen Kund*innen präsentieren zu können, müssen sie dann auf eigene Kosten das Label grafisch aufbereiten, drucken und auf dem Etikett aufbringen lassen.

Preissteigerung um 643,75 %

Der Preis für eine Labellizenz von ÖKO TEST lag bisher bei ca. 800,- Euro. Doch dieser hat sich nun auf auf stolze 5.950,– Euro erhöht. Schock­schwe­re­not! Nach kurzem Herzstillstand und Schnappatmung haben wir nachgehakt. Warum ist das Label soviel teurer geworden? Uns wurde ein Führungswechsel im Geschäftsvorstand und eine neue marktangepasste Preiskalkulation genannt. Die Labellizenz hätte sich in den letzten Jahren nicht mehr getragen und hätte preislich angepasst werden müssen. Zudem sei der Werbeeffekt enorm und würde den Preis durch erhöhte Abverkäufe wieder einspielen.

Kleine Unternehmen werden benachteiligt

Für ein kleines Öko-Unternehmen wie i+m ist eine Werbemaßnahme in dieser Preislage nicht leistbar. Wir verkaufen durchschnittlich 6.000 Stück pro Produkt im Jahr und kämen damit auf 1 Euro pro Produkt höhere Kosten. Und die wahnsinnig erhöhten Abverkäufe bei Produkten mit dem Label konnten wir bisher nicht feststellen. Außerdem ist unser Marketingbudget begrenzt, denn unsere Rohstoffe sind fair gehandelt und kontrolliert biologisch angebaut, und wir spenden ein Viertel unserer Unternehmensgewinne an öko-faire Projekte. Wir agieren in jeglicher Sicht nachhaltig und freuen uns, wenn unsere hochwertigen Produkte den Ökotest mit einem sehr guten Ergebnis abschließen. Aber durch die neue Preispolitik von ÖKO TEST sehen wir die Gefahr, dass nur noch große Unternehmen und Konzerne – deren Verzicht auf echtes nachhaltiges Engagement höhere finanzielle Marketingbudgets erlaubt – sich das ÖKO TEST Label leisten können und der Verbraucher sehr einseitig von ÖKO TEST informiert wird im Ladenregal. 

Faire Preismodelle für alle

Nach unserer geschockten Reaktion und Labellizenzabbestellung hatte uns ÖKO TEST um Vorschläge für Erweiterungen/Verbesserungen ihres Preismodells gebeten. Kein Problem. Für uns denkbar wären zum Beispiel:

  • Ein stückzahlabhängiges Vergütungsmodell, um geringere Abverkaufszahlen zu berücksichtigen
  • Eine Preisstaffelung abhängig von der Unternehmensgröße, um kleinere Unternehmen zu integrieren
  • Ein umsatzabhängiges Vergütungsmodell

Das ist uns spontan eingefallen, um eine Labellizenz für alle leistbar zu machen und kleine Öko-Unternehmen nicht auszuschließen. Bisher hat ÖKO TEST keinen unserer unterbreiteten Vorschläge aufgegriffen. Wir sind sehr gespannt, wie sich die Dinge entwickeln und hoffen das Beste. Bis dahin aber müssen wir leider auf ein Label von ÖKO TEST verzichten, trotz sehr guter Bewertung. Wie schade.


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3 Kommentare zu “ÖKO TEST sehr gut – auch ohne Siegel”

  1. Ailed

    Das ist sehr interessant es aus Herstellersicht zu lesen. Und tatsächlich sehr schade, dass Ökotest hier keine Unterscheidungen macht. Eigentlich bin ich ei Fan dieser Tests, aber eure Ausführungen trüben meine Einstellung etwas. Bleibt nur zu hoffen, dass Ökotest hier noch nach bessert und eure Vorschläge aufgreift.

    Antworten

  2. Michael

    Bravo! Gute Produkte setzen sich über kurz oder lang auch ohne Abzockerlabels durch.

    Werde die Zeitung Ökotest nicht mehr kaufen, dafür aber mehr Produkte von I+M.

    Macht weiter do!

    Liebe Grüße aus München

    Antworten

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